YOROI

Der Künstler Alim Pasht-Han nähert sich dem Thema über die ikonische Darstellung einer Rüstung, die das Ikonoklastische in sich trägt. Darstellungen von Kriegern, Helden und Kämpfern (m/w/d) werden wachgerufen. Das Hineinschlüpfen in Figuren neuer Superhelden oder Transformer der heutigen Computerspiele ist omnipräsent. Avatare haben wie Ikonen den Zweck, Ehrfurcht zu erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter/User und dem Dargestellten zu schaffen. Man bedient sich der Masken, der Hüllen, einer Rüstung auch, um unerkannt zu bleiben.

Das feine Zusammenspiel von Angriff, Rüstung, Schutz, Sicherheit und Verletzlichkeit ist Gegenstand dieser Installation. Der yoroi sitzt nach dem (Kampf)Ritual in der Landschaft. Alim Pasht-Han‘s artifizielle Rüstung ist aus zerbrechlichem Porzellan gefertigt. Einzelobjekte, Module, handwerkliche Versatzstücke und industriell vorgefertigte Formen ergeben eine künstlerische Gesamtkomposition in der Schauvitrine am Zoologischen Garten Berlin.

Alim Pasht-Han erkundet die japanische Tradition der Rüstung genannt yoroi. Wissenschaftler fanden Parallelen zwischen dem Kodex der Samurai und der Lebenstradition tscherkessischer Krieger seines Heimatlandes. Trotz der verhältnismäßig leichten Bauweise der yoroi, ist die Rüstung ein hochkomplexer Schutz. Die meisten historischen Kampfkunstschulen beinhalten viele Techniken, um einen Gegner in Rüstung zu besiegen, sog. Rüstungsbrecher. Diese waffenlosen Techniken zielen darauf ab, das „Skelett“ der Rüstung zu brechen und damit den Kämpfer aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Alim Pasht-Han befasst sich mit Bildhauerei, Installation und Graphik, seit 2006 realisiert er einige Arbeiten in Porzellan. Er lebt und arbeitet als Künstler in Halle/Saale und Naltschik, Kabardino-Balkarien.

Isolde Nagel